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RUTH SCHNELL

ANTECHAMBER - vor der Scheidung

 

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In den "Tafelbildern" von Ruth Schnell findet sich nichts als Monochromie und ein zarter Streifen aus Lämpchen irgendwo in der Bildfläche. Erst im Weggehen, durch Zufall, im Wegsehen, durch pure Absichtslosigkeit, "erscheint" ein Wort und ein anderes - und es hat, dem Herbst-Thema entsprechend - mit Krise zu tun...

 Die Arbeiten von Ruth Schnell widmen sich der Gültigkeit von Blickordnungen und der Veränderung der zeitlichen Dimension von Bildwahrnehmung und -generierung. Ausgestellt werden "Tafelbilder", die die Trägheit der visuellen Wahrnehmung als Basis für eine Verknüpfung von realem Umraum, Bildraum und einem dynamischen, virtuellen Zeichenraum nehmen.
Die mit mehreren transluzenten Polyesterharz-Schichten überzogenen MDF-Platten - monochrome Tafelbilder - sind bloße Bildträger. In diese sind jeweils 32 vertikal angeordnete  Leuchtdioden eingelassen.  Diese zunächst als kompositorische Elemente identifizierbaren Lichtbalken generieren die zu Lichtpunkten zerlegten Wörter.

Zwei fundamental verschiedene Blickordnungen kollidieren in den Arbeiten. Während die bewusste Bildbetrachtung zielgerichtetes Sehen voraussetzt, erfordert eine Wahrnehmung der über die Leuchtbalken flimmernden Wörter einen entgegen gesetzten Blickmodus. Die in eine zeitliche Abfolge hochfrequenter Impulse umgewandelten, codierten Buchstaben sind dann erst lesbar, wenn der Betrachter die beim Lesen eingeübten und üblichen Rezeptionsmuster aufgibt. Erforderlich ist ein frei schwebender Blick, gleichsam eine Betrachtung am Objekt vorbei. Das Erfassen von Ruth Schnells Schriftbildern setzt Absichtslosigkeit voraus.


Die Künstlerin macht sich den so genannten "Nachzieheffekt" zunutze: eine punktförmig bewegte Lichtquelle - oder umgekehrt eine unbewegte Lichtquelle bei schneller Bewegung des Auges - ­ wird als Lichtstreifen abgebildet, als Nachbild, welches auf der Netzhaut produziert und vom Gehirn interpretiert wird. Das Auge scannt bei horizontaler Bewegung und wird dabei selbst zum Bildträger. Die auf den Leuchtbalken generierten Wortreihen beziehen sich auf das Thema der Ausstellung.

Johannes Rauchenberger

 

Ruth Schnell, 1956 in Feldkirch geboren, lebt und arbeitet derzeit in Wien und unterrichtet an der Hochschule für Angewandte Kunst visuelle Mediengestaltung. Sie war u.a. 1991 Vertreterin Österreichs auf der Biennale in Venedig.

 

"Die Arbeiten oszillieren zwischen Gestaltgebung und -auflösung, zwischen Bild- und Zeichenhaftigkeit und verlangen interferierende Blickordnungen" (Ruth Schnell).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

09. Oktober - 07. November 2004

 

Kuratoren: Johannes Rauchenberger /  Alois Kölbl

 

Ausstellungsort:

MINORITEN-Galerien im ehem. Jesuitenkollegium/

Priesterseminar, Bürgergasse 2, 8010 Graz

 

steirisc[:her:]bst 04

 

 

Ruth Schnell wird von der Galerie Lisi Hämmerle vertreten

http://www.galerie-lisihaemmerle.at/